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Vorurteile im Faktencheck

Seitdem vermehrt Asylbewerber nach Deutschland kommen, kursieren die wildesten Gerüchte gegenüber Menschen, die hier Schutz suchen. Wir gehen den Vorurteilen, mit denen teilweise gezielt Ängste und Fremdenfeindlichkeit geschürt wird, auf den Grund.

 

Die Zahl der Asylsuchenden in Europa steigt. „Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen“, heißt es nun.

 
 

Davon sind wir Lichtjahre entfernt. Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge kommt nach Europa. 

2015 befanden sich weltweit über 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Davon sind lediglich 820.000 nach Deutschland gekommen. Nur die Hälfte dieser Menschen wird letztendlich in Deutschland bleiben können. Beispiel Syrien: 95 Prozent aller Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien kommen laut Amnesty International in folgenden Ländern unter: Türkei, Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten. Alle anderen Länder teilen sich die restlichen fünf Prozent.

 

Die meisten sind nur Wirtschaftsflüchtlinge.

 
 

Ein Großteil der Asylsuchenden erhält von den Behörden einen Schutzstatus. 

Niemand setzt sich leichtfertig nachts in ein marodes Boot, wissend, dass der Tod droht.Niemand setzt alles aufs Spiel, lässt alles los – Heimat, Besitz, Angehörige, vielleicht sogar Kinder – nur in der Hoffnung auf den Bezug von Sozialleistungen. Wer Asyl sucht, kämpft oft ums Überleben.

 

Flüchtlinge kosten uns zu viel Geld.

 
 

Humanitäre Hilfe ist nicht kostenlos. Aber im Gegensatz zum gesellschaftlichen Schaden, der zum Beispiel durch Steuerhinterziehung entsteht, sind die Ausgaben für Flüchtlinge Peanuts. 

Der Bund hat 2016 rund 9 Milliarden Euro für die Flüchtlingshilfe ausgegeben Das klingt nach viel, ist aber gemessen an den Gesamtausgaben des Bundes in Höhe von über 300 Milliarden aber doch überschaubar. Ähnlich sind die Zahlen in NRW: Von insgesamt 67 Milliarden Gesamtausgaben wendet NRW 9 Milliarden für Flüchtlinge auf. Im Vergleich dazu verliert Deutschland aber geschätzt 100 Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch Steuerhinterziehung – und zwar jedes Jahr. Also: Nicht Flüchtlinge belasten die öffentlichen Haushalte übermäßig, sondern Steuerhinterzieher.

 

Wir haben nicht genug Platz, die neu ankommenden Flüchtlinge unterzubringen.

 
 

Mit vernünftiger Planung könnten wir viel mehr Menschen aufnehmen. 

2015 brauchten mehr Asylsuchende denn je ein Dach über dem Kopf. Dieser Umstand hat in den letzen Jahren vor allem die Kommunen herausgefordert, er hat zu öffentlichen Diskussionen und Kontroversen, sogar zu einzelnen Notstandsszenarien geführt. Zur Dramatisierung gibt es allerdings keinen Grund: Deutschland zählt rund 80 Millionen Einwohner und ist ein großes, reiches Land. Die Unterbringung von Flüchtlingen ist keine Platzfrage – sie ist vor allem eine Frage der Organisation und des guten Willens.

 

Asylsuchende sind kriminell und gefährlich.

 
 

Flüchtlinge sind so verschieden, wie Menschen eben sind. Keine Statistik belegt, dass Flüchtlinge häufiger straffällig werden als Einheimische.

Auch wenn es immer wieder behauptet wird: Hinweise darauf, dass Flüchtlinge öfter straffällig würden als andere Menschen, gibt es nicht. Auch nicht, dass Menschen nichtdeutscher Herkunft krimineller sind als die Durchschnittsbevölkerung. Nicht-Deutsche werden jedoch deutlich häufiger verdächtigt, eine Straftat begangen zu haben. Deshalb liegt hier die Quote bei Verfahrenseinstellungen und Freisprüche auch deutlich höher als bei Deutschen.

 

Quellen:

  • ProAsyl: „Pro Menschenrechte. Contra Vorurteile“
  • Gründe NRW: Fakten gegen Parolen